Ein allerletztes Update

Samstag, 20.08.2016

Da sich der Blog hier nur auf meine Reise durch Neuseeland bezieht, ich aber jetzt im Verlauf der nächsten Jahre immer wieder einfach so in der Welt unterwegs bin, habe ich einen neuen Blog gestartet. Die ersten regelmäßigen Einträge wird es ab 4.9. geben, da fliege ich von München nach Bangkok und ein paar Tage später von Bangkok nach Vietnam. Ein paar Sachen werde ich allerdings jetzt schon hochladen. Diesesmal ist der Blog (mit rücksicht auf alle interessierten Nicht-Deutschen Backpacker) auf Englisch. Das sollte ja aber für euch kein Problem sein denke ich ;). Ihr findet ihn hier: http://backpackersparadise.auslandsblog.de/. Safe and happy travels, euer Michi! :)

Mein Film

Sonntag, 28.06.2015

Obwohl ich schon vier Monate wieder zuhause bin, habe ich doch bis heute gebraucht, um meinem Film fertigszustellen. Ich hatte beim Schreiben große Schwierigkeiten das Thema Backpacking so zusammenzufassen, sodass sowohl Neueinsteiger eine gute Vorstellung davon bekommen, als auch Menschen, die schon länger unterwegs sind, noch interessante Gedankengänge kriegen. Deswegen habe ich das Drehbuch immer wieder umgeschrieben, solange bis ich zufrieden war. Der fertige Film ist jetzt auf YouTube zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=SvPANuS0E-w

Ganz besonders in diesem Falle interessiert mich eure Meinung dazu. Falls ihr also Lust habt, schaut euch den Film an und schreibt mir über das Kontaktformular, was ihr davon haltet, ob ihr eigene Gedanken zu dem Thema habt, oder was ich das nächste Mal vielleicht besser machen könnte! Schöne Grüße,

Michi :)

Meine Welt auf dem Kopf

Sonntag, 22.02.2015

In den letzten Tagen alles wie im Zeitraffer abgelaufen...die Busfahrt zum Flughafen in Auckland, der Check-In, mein Aufenthalt in Los Angelos, die Landung in München und schließlich die Wiedervereinigung mit meiner Familie und meinen Freunden. Es ist wirklich schön die mir so vertrauten Gesichter, Straßenzüge und Häuser meiner Heimat zu sehen, aber alles, was mir in den letzten Tagen passiert ist, hat sich sehr distanziert angefühlt. Wie, als würde ich es durch das falsche Ende eines Fernglases beobachten und orientierungslos von Tag zu Tag stolpern...

Ich glaube jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um mich bei allen zu bedanken! Danke an einfach alle Menschen, die mich auf meiner Reise begleitet haben und ganz besonderen Dank an alle, die zu meiner Reise etwas beigetragen haben. Unendlichen Dank an meine Eltern, die mir diese Reise ermöglicht haben und an meine kleine Schwester, die – trotz ihrer sicherlich juckenden Finger – mein Zimmer nicht auseinandergenommt hat, während ich weg war. Vielen Dank an meine Freunde für ihre zuverlässige Unterstützung, ihre Gedult und den tollen Empfang! Und zum Schluss: danke an euch. Ich hätte nie mit den wirklich zahlreichen positiven Rückmeldungen gerechnet, die mich immer wieder aufs neue zum Weiterschreiben motiviert haben. Ich danke euch für euer Interesse! Ihr habt hier ein halbes Jahr meines Lebens in schriftlicher Form zusammengefasst und ich will euch nicht (wie bei einem Film) mit offenem Ende zurücklassen. Ich wage also einen kurzen Blick in meine Zukunft...

Ich werde in den kommenden Wochen viel mit meinen Freunden und meiner Familie unternehmen. Ich werde noch lange an meinem Dokumentarfilm (und einem anderen Projekt) arbeiten und vermutlich unzählig vielen Menschen über meine Reise erzählen müssen. Ich weiß nicht, wie lange ich brauchen werde, um mich wieder an ein normales Leben zu gewöhnen, aber ich weiß, dass mir mein Umfeld dabei helfen wird. Und selbst wenn es dann soweit ist, weiß ich, dass es nie wieder so sein wird wie früher. Reisen verändert einfach alles. Das verwirrende an dieser Erfahrung ist aber, dass ich das erst so wirklich gemerkt habe, als ich tatsächlich zuhause angekommen bin, denn dort war quasi alles beim Alten. Und ich verspreche euch - in genau dem Moment hat sich meine Welt entgültig auf den Kopf gedreht...

Und weil mir an dieser Stelle alle Worte fehlen, um dieses Gefühl zu beschreiben, beende ich meinen Blog über meine Zeit als Backpacker in Neuseeland mit dem Tipp: Geht reisen und erlebt es selbst!

Mit den besten Grüßen an euch alle da draußen und bis zum nächsten Mal,

euer Michi...

Die größte aller Reisen

Samstag, 14.02.2015

Im Verlauf der vergangenen Wochen hat sich in mir eine immer größer werdende Abschiedsstimmung ausgebreitet. Begonnen hat diese, als ich von der Südinsel zurück auf die Nordinsel übergesetzt bin. Zum ersten Mal wirklich aufgefallen ist sie mir, als ich an meinem letzten Abend in Wellington von der Spitze des Mt. Victoria (einem der schönsten Orte Neuseelands) den Sonnenuntergang angeschaut habe. Nachdem ich es kurz verdrängen konnte, ist es dann wieder aufgetaucht, als ich mich ein letztes mal mit einem meiner ehemaligen Arbeitskollegen aus Kaitaia getroffen habe. Sebastian ist einer der interessantesten Backpacker, der mir hier über den Weg gelaufen ist und einer der engsten Freunde, die ich hier gewonnen habe. Deswegen ist mir mein Abschied deutlich bewusst geworden, als ich mich vor Kurzem in dem Dorf Mt. Manganui von ihm für unbestimmte Zeit verabschiedet habe. Ich bin jetzt schließlich zurück in meiner Ausgangsstation Auckland angekommen und warte hier auf den Tag meiner Abreise.

Bis vor kuzem habe ich gedacht, dass es mir gerade genauso geht, wie in den Tagen, bevor ich nach Neuseeland gereist bin. Aber jetzt habe ich gemerkt, dass das nicht so ist. Meine Zeit vor der Reise war ein Cocktail gemischt aus Vorfreude, Fernweh, Neugierde, Nervosität und Trauer. Jetzt gerade hingegen liegt mir nur der schwere und bedrückende Gedanke des Abschiedes im Magen. Versteht mich nicht falsch. Natürlich freue ich mich darauf, dass ich meine Familie und meine Freunde wiedersehen kann, allerdings muss ich mich jetzt erst einmal auf Weiteres von einer der besten Erfahrungen meines Lebens verabschieden. Backpacking ist nämlich westentlich mehr als nur eine Form von Langzeittourismus. Es ist ein Lebensstil. Und zwar einer, der sich von dem des gesellschaftlichen Idealbildes nicht mehr unterscheiden könnte und genau aus diesem Grund so besonders ist. Es ist ein Lebensstil, den ich in den letzten sechs Monaten lieben gelernt habe und deswegen fällt mir der Gedanke des Abschiedes davon so schwer. Es wäre naiv, kindlich und vorallem gelogen, wenn ich behaupten würde, dass es mir während meiner Zeit hier unten immer gut gegangen ist. Als mich Sebastian allerdings gefragt hat, ob meine Reise ein voller Erfolg war, konnte ich ohne zu zögern mit einem „Ja!“ antworten, denn auch zu lernen alleine mit Problemen fertigzuwerden hat sich im Nachhinein als eine positive Erfahrung herausgestellt.

Ich glaube, dass ich nur noch zwei Dinge über das Thema Reisen loswerden will. Erstens bin ich mir inzwischen sehr sicher, dass meine Zeit in Neuseeland nicht meine letzte als Backpacker gewesen sein wird. Ich will das in der Zukunft wieder machen, allerdings muss ich mich jetzt zuhause erst anderen Herausforderungen stellen. Das Zweite richtet sich jetzt direkt an meine Familie und meine Freunde: genauso wie meine Zeit in Neuseeland ohne die ganzen schönen Begenungen wertlos gewesen wäre, so wäre auch mein Leben ohne euch völlig wertlos. Danke, dass ihr mir die Rückkehr nach Deutschland sinnvoll macht und danke, dass ihr euch dazu entschlossen habt, mich auf meiner größten Reise zu begleiten. Und auch wenn ein kurzer Teil dieser Reise in wenigen Tagen aufhört, so weiß ich doch, dass dieser dafür Platz für einen viel längeren zusammen mit euch macht...

Und um euch allen nochmals einen letzten Denkanstoß mitzugeben, hier ein (für die Idee hinter meinem Blog) leicht abgewandeltes Zitat aus einem Drehbuch von Richard Curtis:

 Wir befinden uns alle auf einer großen Reise.
Jeden Tag unseres Lebens. Das Beste, was
wir tun können, ist unser Bestes zu geben,
diesen unvergleichlichen Trip zu genießen.

 

Mein Rückweg

Freitag, 06.02.2015

Nachdem ich am 26. Januar von der Südinsel zurück auf die Nordinsel gefahren bin, habe ich mich langsam auf den Rückweg nach Auckland gemacht. Unter einigen schon mir bekannten Zwischenstationen wie Wellington, Taupo, Matamata und Tauranga, habe ich auch einige Städte besucht, die ich auf dem Hinweg ausgelassen habe.

Napier ist, ähnlich wie Blenheim auf der Südinsel, eine Stadt in die Backpacker überwiegend wegen den Jobs gehen. Wenn man, wie ich, allerdings nur auf Durchreise ist, lohnt sich dort kein langer Aufenthalt, denn besonders viel zu bieten hat sie nicht. Allerdings habe ich von einem Aussichtspunkt einen tollen Überblick über die ganze Hawke´s Bay und das Cape Kidnappers bekommen und somit konnte ich diese Gegend schließlich von meinem Reiseplan streichen.

Nach Taupo bin ich wieder in der Absicht gegangen das Tongariro Crossing zu machen, hatte aber – genau wie beim letzten Mal – Pech mit dem Wetter. Aufgegeben habe ich deswegen noch nicht, ich habe meine Wanderung nur vorschoben. Anstatt in Taupo tagelang auf gutes Wetter zu warten, habe ich beschlossen auf die Coromandel Peninsula zu reisen. Das ist wirklich die allerletzte Gegend, die ich noch nicht besucht habe. Meine erste Station dort war das unspäktakuläre Hafendorf Thames, aus dem ich nach einer Nacht wieder abgereist bin. Meine nächste Station war Hatai Beach, welches Nahe der beiden beliebtesten Attraktionen der Halbinsel liegt: die Cathedral Cove und der Hot Water Beach. Während die erstgenannte ein wirklich erstaunliches Naturschauspiel ist, kommt die zweite nicht annähernd an ihren guten Ruf heran. Der Hot Water Beach hat seinen Namen davon, dass man bei Ebbe mit Schaufeln Löcher in den Strand graben kann und diese dann, ähnlich wie in einem Whirlpool, mit heißem Wasser volllaufen. Weil mir so oft davon vorgeschwärmt wurde, wollte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen, habe dann aber feststellen müssen, dass sich dieser Strand kaum von anderen unterscheidet. Mein letzter Stopp auf der Coromandel Penisula war der Badeort Whitianga, in dem ich mich einen ruhigen Tag lang ausruhen konnte.

Und so seltsam das klingen mag, genau das habe ich gebraucht: Ruhe. Auch wenn ich inzwischen nichteinmal zwei Wochen bis zu meinem Heimflug habe und man annehmen könnte, dass ich jetzt ein letztes Mal noch richtig anziehe, bin ich vorallem in den vergangenen Tagen sehr erschöpft. Natürlich gefällt es mir hier weiterhin sehr gut, aber die fast vier Monate reisen mit nur einer nennenswerten Unterbrechung über Weihnachten machen sich stark bemerkbar. Deswegen bin ich froh, dass ich jetzt in den kommenden zwölf Tagen keinen großen Stress mehr habe und nur noch ein Wunschziel hinter mich bringen muss: das Tongariro Crossing. In der Hoffnung, dass sich das verrückte neuseeländische Wetter endlich erbarmt und mich diesen Berg besteigen lässt, werde ich also in zwei Tagen zum dritten Mal nach Taupo fahren – meine letzte Station in Neuseeland vor meinem entgültigen Rückweg nach Auckland und dann nach Hause...

 

Vom Westen was Neues

Samstag, 24.01.2015

Keine Stunde weiter nördlich des Fox Glacier, liegt der Franz Josef Glacier, ebenfalls ein sehr bekannter und gern besuchter Gletscher an der Westküste. Ich kann zwar verstehen, warum viele Menschen nur einen der beiden besuchen, denn sie sind sich sehr ähnlich, allerdings ist die Aussicht hier genauso gigantisch, also bereue ich meinen Zwischenstopp nicht.

Die kleine Küstenstadt Hokitika ist in Neuseeland für ihre blühende Industrie der Jadeverarbeitung bekannt. Für Touristen ist sie wohl der idealste Ort für den Kauf von Souvenieren, wie etwa Ketten, Ringe, Armreife und allerlei anderer Schmuck. Allerdings hat sie mit ihrem netten Strand, der behaglichen Innenstadt und dem Sunset Point, ein Aussichtspunkt von dem man bei gutem Wetter hervorragend den Sonnenuntergang beobachten kann, mehr zu bieten als bloß das.

Der absolute Höhepunkt der Westküste ist Punakaiki. Dieses Dorf liegt eingekesselt zwischen der Westküste auf der einen Seite und dem Paparoa National Park auf der anderen Seite. Die Sehenswürdigkeiten, für die es berühmt ist, sind die Pancake Rocks. Das sind Felsformationen, die tatsächlich so aussehen, als wären versteinerte Pfannkuchen übereinandergestapelt worden. Noch viel faszinierender sind allerdings die Blowholes. Das sind Löcher in den Felsen, die bis runter zum Wasser reichen. Bei Flut peitscht der Atlantik riesige Wellen so aggressiv gegen die Küste, dass das Wasser dann aus diesen Löchern spritzt und alle Zuschauer (mehr als nur einmal) übergießt. Mit einigen Wanderwegen durch den Nationalpark und meinen netten Mitbewohnern konnte ich die drei Tage, die ich in Punakaiki verbracht habe, gut hinter mich bringen.

Als ich dann letztendlich zu meinem letzten Ziel auf der Südinsel fahre, nämlich der Stadt Nelson, erzählt uns der Busfahrer, dass die Straße, die wir fahren als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt gilt. Nelson selbst ist die Gegend Neuseuseelands, in der es am wenigsten regnet. So hat es sich den Spitznamen Sunny Nelson geholt und mir zwei Tage bei bestem Wetter seine Sehenswürdigkeiten präsentiert. Die interessanteste derer war der geographische Mittelpunkt Neuseelands, der auf einem Hügel etwas außerhalb des Stadtzentrums markiert ist.

Ich werde in zwei Tagen wieder mit der Fähre von Picton aus nach Wellington übersetzten. Inzwischen sind es nicht einmal mehr vier Wochen, bis ich zurück nach Deutschland fliege und im Moment geht es mir genauso, wie in den vier Wochen bevor ich nach Neuseeland geflogen bin. Ich kann es einfach nicht richtig realisieren. Meine Rückkehr macht mir sorgen, denn ich kann mir nicht vorstellen, nach einer so langen Reise einfach wieder zurück in den Alltag zu verfallen, dem ich vor fünf Monaten entflohen bin. Abgesehen davon geht es mir aber wirklich sehr gut. Ich will mir jetzt noch keine großen Gedanken über meinen Rücklug machen, sondern lieber die letzten Wochen hier genießen, bevor es für mich dann in Richtung Heimat geht...

Im Ameisenstaat

Dienstag, 13.01.2015

Hier ist eine neue Theorie von mir: Touristen wirken immer wie Ameisen. Entweder weil es zu viele davon gibt, oder zu wenige. Lasst mich das erklären...

Nachdem ich Te Anau verlassen habe, bin ich nach Queenstown gereist. Angesiedelt am Lake Wakatipu wurde diese Stadt vermutlich nur gebaut, damit Touristen dort Geld ausgeben. Im meist sonnigen Wetter kann man dort vom Skydiving, Canyonswinging und Bungeejumping die verschiedensten (mit Adrenalin vollgepumpten) Aktivitäten praktizieren. Das und die hohe Dichte an Clubs und Bars lockt ganzjährlich unzählige Touristen an. Bei Backpackern ist Queenstown an Weihnachten und Silvester sehr beliebt, deswegen war es natürlich auch wenige Tage nach Neujahr, als ich dort angekommen bin, sehr beschäftigt. Allerdings habe ich meine kurze Zeit dort trotzdem genossen, weil sich mir abseits aller typischen Touristenziele, zum Beispiel auf der Spitze des Mount Queenstown, eine geniale Aussicht auf die langsam beginnenden Südalpen von Neuseeland geboten wurde. Mein nächstes Reiseziel war Wanaka – die kleine Schwesterstadt von Queenstown. Diese liegt am Lake Wanaka und bietet seinen Besuchern mindestens genauso viele Freizeitaktivitäten auf dem Wasser und in der Luft, wie Queenstown selbst. In beiden Städten hatte ich von Touristen immer den Eindruck, dass sie sich wie Ameisen verhalten. Wie in einem Ameisenstaat drängeln sich viel zu viele Menschen auf viel zu kleinen Sträßen und Stränden. Sie marschieren in Reihen zu allen Orten und allen Restaurants, die man auf keinen Fall verpassen darf und suchen nach den kreativsten Möglichkeiten Geld wie mit dem Füllhorn aus dem Fenster zu schaufeln...abgesehen davon sind es allerdings trotzdem sehr schöne Städte.

Meine darauffolgenden Reiseziele waren das genaue Gegenteil dazu. Der Fox Glacier ist einer der bekanntesten (noch exestierenden) Gletscher Neuseelands. An diesem kann man die schweren Folgen des Klimawandel erkennen, da er in den letzten Jahren sehr stark zurückgegangen ist. Schon hunderte Meter vor dem Beginn des Gletschers stehen alte Warnschilder, die sagen, man dürfte ihn ab diesem Punkt nicht mehr alleine betreten. Heute sieht man dort nur noch einen reißenden Gebirgsbach und Geröll. Trotz dessen ist die Aussicht auf den noch erhalten gebliebenen Teil des Gletschers immer noch spektakulär. Diese hat man allerdings nur dann, wenn das Wetter mitspielt und hier an der Westküste der Südinsel ist das eine kompliziertere Angelegenheit. Neuseeland wird meistens von Westwinden überweht. Somit werden alle Regenwolken an den Südalpen aufgerissen und entleeren ihren gesamten Inhalt über dem Westen der Insel. Der Osten bleibt dadruch schön sonnig, aber hier braucht man viel Glück, um eine klare Weitsicht zu bekommen. Und gerade die ist wichtig, um vom Lake Matheson aus Mt. Cook, den höchsten Berg Neuseelands, sehen zu können. Nachdem ich in den letzten Wochen quasi immer ideales Wetter genießen konnte, hat sich dieses jetzt wieder zum ersten Mal dazu entschlossen mir einen Strich durch die Rechnung zu ziehen. Als ich den kleinen See erreiche hängen graue Regenwolken tief in den Bergen und verdecken damit den Blick auf eine der ikonischsten Landschaften Neuseelands. Hier ist nur wenig los, was ich sehr entspannend finde.

Im Panorama dieser riesigen Bergtäler, der massiven Eiswände und unendlichen Landschaften scheinen die wenigen Touristen, die man sieht, auf die Größe von Ameisen zu schrumpfen. Klein, unbedeutend und fast schon schutzlos stehen wir – umgeben von einer übermächtigen Natur – bedächtig an den Aussichtspunkten und bewundern das, was sich vor unseren Augen auftut...

Über das Verlieren

Montag, 05.01.2015

Nachdem ich Silvester noch in Dunedin verbracht habe, bin ich schließlich über Invercargill nach Te Anau gereist. Hier beginnt der Fjordland National Park, der größte Nationalpark Neuseelands. Schon bevor ich aus dem Bus aussteige wird mir bewusst, dass ich jetzt entgültig am Ende der Welt angekommen bin. Während der ganzen Fahrt - die immerhin knapp drei Stunden gedauert hat – habe ich nichts gesehen, was auf Zivilisation hindeuten würde. Nichts außer Ackerland, völlig unberührte Natur und Gebirge. Der Fjordland National Park ist ein relativ unzugängliches Gebiet, welches nur mit dem Helicopter wirklich erforschbar ist. Aufgrund seiner Einzigartigkeit und seiner Schönheit wurde er zum Weltnaturerbe erklärt. Vor langer Zeit haben einmal Gletscher hier das Landschaftsbild bestimmt, diese sind allerdings schon abgeschmolzen und haben tiefe Fjorde hinterlassen. Hier leben nur wenige Menschen, was ich verstehen kann. Allerdings kann ich auch nachvollziehen, warum man hier völlig abseits der Zivilisation wohnen wollen würde. Hier gibt es nichts, was mich stören könnte. Keinen Straßenlärm, keine Werbebanner, keine Ampeln und nur kleine Straßen. Ich bin hier völlig für mich allein. Die Landschaft um mich herum ist so weitläufig, dass ich mich oft in ihr verliere. Das ist kein Gefühl der Depression oder der Einsamkeit, sondern ein gutes. Eins von unvergleichbarer Freiheit.

Das gleiche Gefühl der Freiheit ergreift mich, als ich mit einem Boot durch den Milford Sound fahre. Dieser gilt als einer der schönsten Orte dieser Erde und das zurecht. Die Landschaft ist einfach überwältigend. Zwar hängen viele Regenwolken dicht über dem Wasser und so ist die Weitsicht nicht perfekt, aber wir fahren nahe an den Bergen, weswegen wir trotzdem viel sehen. Von dünnen Schleiern bis hin zu massiven Bächen rinnt das Regenwasser diese hinunter und machen den Auflug wirklich zu einem meiner spektakulärsten in Neuseeland.

Leider trübt eine Nachricht aus Deutschland meine Ausflüge ins Fjordland. Mein Opa ist wenige Tage nach seinem 91. Geburtstag friedlich und ohne Schmerzen verstorben. Seitdem ich das erfahren habe, bin ich in Neuseeland zum ersten Mal wirklich verloren. Es fühlt sich so distanziert an, dass ich es glaube ich noch gar nicht wirklich realisiert habe...während ich tagsüber schöne Auflüge mache, sind meine Nächte vor Trauer kurz und unruhig geworden. Ein wichtiges Mitglied meiner Familie ist jetzt weggebrochen und deswegen sind meine Gedanken jetzt bei dieser. Ich will, dass ihr wisst, dass ich versuche euch so gut es mir gelingt beizustehen. Es tut mir unendlich Leid, dass ich in dieser schweren Zeit nicht bei euch sein kann, aber ich vertraue darauf, dass ihr euch gegenseitig unterstützen könnt. Macht euch bitte keine Sorgen um mich, ich komme zurecht.

Opa, du warst eine unglaubliche Bereicherung für mein Leben. Ob du mit deinen Lateinkenntnissen geprahlt und von chinesischen Zeitungen fantasiert hast, oder uns wieder einfach mal Geld andrehen wolltest, mir werden die allwöchentlichen Besuche bei dir, so wie sie die letzten 18 Jahre verlaufen sind, unendlich fehlen. Es tut mir Leid, dass ich in deinen letzten Momenten nicht bei dir sein konnte, aber ich versichere dir, dass du die ganze Zeit bei mir gewesen bist und bleiben wirst. In ewiger Dankbarkeit und Liebe, dein Michilein...

Der Geist vergangener Weihnachten

Mittwoch, 24.12.2014

Ich habe in letzter Zeit oft von anderen deutschen Backpackern hören müssen, wie krass der Unterschied des Weihnachtens in Neuseeland von dem in Deutschland sein wird. 25° Außentemperatur, ein wolkenloser blauer Himmel und das Fehlen von Familie und Freunden scheint hier viele zu verstören. Auch für mich ist es ungewohnt im Hintergrund einer solchen Szenerie in diese typische Weihnachtsstimmung zu verfallen, an die ich mich die letzten 18 Jahre schon gewöhnt hatte. Aber ist es in Neuseeland deswegen unweihnachtlich?

Weihnachten war für mich persönlich immer ein Fest der Ruhe und der Familie. Gott sei Dank bin ich im richtigen Umfeld aufzuwachsen, um genau das zu erfahren. Nach den ersten drei Dezemberwochen, die jährlich immer wieder mit Schulaufgaben zugestopft waren, gab es für mich wenig entspannendere Dinge, als die Weihnachtsfeiertage zurückgezogen mit meiner Familie zu verbringen. Manchmal ist es bei weitem nichts schlechtes die Ruhe in seinem Leben zu genießen, das ist nämlich etwas, was einem nicht immer selbstverständlich gegeben wird. Ganz besonders nicht beim Reisen. Alle paar Tage den Wohnort zu wechseln und ständig neue Leute kennenzulernen sind zwar interessante Erfahrungen, schaffen es aber trotzdem mir hin und wieder den Wind aus den Segeln zu nehmen. Genau aus diesem Grund habe ich mir in Dunedin ein ruhiges Hostel gesucht, in dem ich über die Weihnachtsfeiertage und Silvester wieder Kraft für die letzten andernhalb Monate auf Reisen sammeln kann.

An Weihnachten selbst habe ich mit meinen Mitbewohnern zusammen gegessen und wir haben nachts einen neuseeländischen Gottesdienst besucht. Beides Dinge, die dieses Weihnachten für mich besonders gemacht haben. Es ist schon so, dass mir etwas gefehlt hat, als ich keinen echten persönlichen Kontakt zu meiner Familie und meinen Freunden haben konnte, aber deswegen würde ich noch lange nicht behaupten, dass meine Weihnacht hier unten keine richtige war – nur eben eine andere. Ich habe mich an vergangene Weihnachten, die ich mit meiner Familie verbracht habe, zurückerinnert. Ähnlich wie der Geist der vergangenen Weihnacht aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens.  Dieser musste mir aber nicht die wahre Bedeutung von Weihnachten erklären, sondern hat schlichtweg dafür gesorgt,  dass ich mich auf die vielen noch kommenden schon freue. In diesem Sinne:

Ein frohes Fest an euch alle! Ruht euch aus und tankt genug Energie für das kommende Jahr!

Gegensätze

Mittwoch, 17.12.2014

Ich bin jetzt schon eine längere Zeit ruhelos auf dem Weg durch Neuseeland. Allerdings glaube ich nicht, dass es mir schon wahrhaftig gelungen ist allen Nicht-Reisenden unter euch klarzumachen, was Reisen wirklich bedeutet. Das Thema ist auch nicht einfach, aber müsste ich es versuchen, dann wäre mein Ansatz folgender: Reisen besteht aus Gegensätzen. Ich sehe jetzt mal von den zahlreichen Unterschieden zwischen Deutschland und Neuseeland ab und will mich nur auf die persönlichen konzentrieren...

Ich habe seit Kaikoura eine feste Reisebegleiterin, mit der ich insgesamt zwei Wochen bis Weihnachten gemeinsam unterwegs sein werde. Das sehr angenehme daran ist, dass ich mich für diesen Zeitraum nicht immer auf neue Menschen einstellen muss, sondern mich an sie gewöhnen kann. Vieles ist zu zweit einfacher: Ausflüge werden schöner, die Organisation ist genauer durchdacht und man plant besser vorraus. Dadurch, dass ich aber auch schon einige Zeit alleine unterwegs war, kenne ich auch die Gegenseite: viele unterschätzen das, was man über sich lernen kann, während man alleine ist. Im Moment genieße ich meine Zeit in Begleitung allerdings sehr!

Eine andere Sache ist die mit der Rückkehr nach Hause. Nachdem jetzt feststeht, dass ich am 18. Februar 2015 zurück nach Deutschland fliegen werde, breitet sich in mir ein wiedersprüchliches Gefühl aus. Natürlich freue ich mich schon auf meine Heimat, meine Freunde, meine Familie, aber für mich ist bereits jetzt die Vorstellung kaum zu ertragen, dass ich mich bald wieder an einen normalen Alltag gewöhnen muss. Ich weiß jetzt schon, dass mir das Reisen unglaublich fehlen wird, aber ich weiß auch, dass mir mein Zuhause genauso fehlt. Eigentlich ist es gut mit einer Sucht zu vergleichen: je länger ich reise, desto länger will ich damit weitermachen. Dem steht allerdings mein Kopf im Weg, der mich immer wieder energisch darauf aufmerksam macht, dass ich mich Zuhause um meine Zukunft kümmern muss. Was für ein schrecklicher Gedanke...

Reisen ist eine schöne und gleichzeitig wirklich verwirrende Erfahrung. Ich will sowohl Begleitung, als auch Zeit für mich alleine. Ich will nach Deutschland zurück, obwohl ich hier nicht weg will. Wer kommt denn bei so einer glasklaren Logik überhaupt noch mit..?

Unbeabsichtigterweise stehen meine letzten beiden Ziele in einer interessanten Symbolik zu meiner These über Gegensätze beim Reisen. Ich will nicht behaupten, dass Christchurch eine hässliche Stadt ist. Das ist sie bei weitem nicht. Allerdings sieht man ihr immer noch sehr stark an, dass sie vor wenigen Jahren von einem Erdbeben in ihrem Zetrum zerrissen wurde. Sie hat einige sehenswerte Stadtparks und schöne Randgebiete, aber insgesamt ist es doch eine seelenlose Stadt. Überall verteilt gibt es Kräne, Baustellen, unfertige Gebäude und die Ruinen alter ikonischer Gebäude, die einen noch den ehemaligen britischen Hauch der Stadt erahnen lassen. In sich geschlossen und mit einem mir bisher unbekannten Charme empfängt uns das Dorf Akaroa. Angesiedelt auf der Banks Peninsula liegt es etwa eine zweistündige Busfahrt hinter einer riesigen Hügelkette außerhalb von Christchurch. In einer knapp sechs Stunden langen Wanderung erklimmen wir gemeinsam einen dieser Hügel und genießen von oben die wirklich wunderbare Aussicht auf die ganze Bucht. Verglichen mit der massiven Landschaft außenrum wirkt Akaroa plötzlich noch kleiner und bedeutungsloser als zuvor und auch ich selbst habe das Gefühl zu schrumpfen.

Wie schon gesagt...die Gegensätze beim Reisen sind unausweichlich, verwirrend, aber auch oft überwältigend. Sowohl die, die ich in mir trage, als auch die zwischen heruntergekommenen Städten und den unberührtesten Landschaften, die ihr euch nur vorstellen könnt. Aber darüber will ich mich in keinem Fall beschweren. Wie langweilig wäre denn das Leben, wenn es immer nur den Erwartungen entsprechen würde? Das ist bereits eine Lehre, die ich mit zurück nach Deutschland nehme: Abwechslung macht das Leben spannender. Mal sehen, ob ich darauß in nächster Zeit etwas machen kann...

Irgendwo im Nirgendwo

Samstag, 13.12.2014

Nach einer fast dreistündigen Fahrt auf der Fähre von Wellington nach Picton empfangen mich die Malborogh Sounds mit einer unbeschreiblich großartigen Aussicht auf der Südinsel von Neuseeland. Diesen Genuss bezahle ich allerdings mit einem hohen Preis: der kalte Zugwind am Deck des Schiffes hat mich dann mit einer Erkältung für die kommenden zwei Tage ans Bett gefesselt. Wieder auf den Beinen führt mich meine Reise zuerst an der Ostküste hinunter. Obwohl das kleine Dorf Picton im Panorama der gewaltigen und unberührten Hügelketten um sich herum eher wie eine letzte Enklave der Zivilisation wirkt, ist der Rest der Insel doch belebter, als ich erwartet hätte...was aber nicht bedeuten soll, dass dort viel los. Zwischen zwei größeren Ortschaften liegen teilweise Distanzen von zwei Stunden (!) Fahrt mit dem Bus.

Die kleine Stadt Blenheim dient Backpackern vorallem als Hochburg für Arbeit. Die Weingüter, die das Landschaftsbild der ganzen Gegend bestimmen, locken jährlich viele Tausend Reisende auf der Suche nach einem Job an. Ich konnte die Stadt am Besten von der Spitze des nahegelegenen Mt. Vernon genießen und hatte zwei wirklich schöne Tage in dem Hostel dort.

Als ich jenes verlasse prasselt ein für diese Jahreszeit ungewöhnlich starker Regen vom Himmel. Das schlechte Wetter und der Dunst des Nebels, der sich in Hügeln verfangen hat, geben dem Land um mich herum eine interessante Stimmung, die ich aus dem Fenster eines Busses aus genießen kann. Als ich aus diesem aussteige finde ich mich in Kaikoura wieder – nicht westentlich mehr als ein kleines Fischerdorf irgendwo im Nirgendwo. In dem Hostel werde ich sehr familiär empfangen und kann mich an dem knisternden Feuer im Kamin wieder aufwärmen. Am nächsten Tag hat sich der Himmel über uns beruhigt und es war ideales Wetter für die Wanderung, die ich mir vorgenommen habe. Zusammen mit meiner neuen Reisebegleiterin gehe ich einen Wanderweg an der Kaikoura Peninsula entlang, der uns schließlich zu einer Kolonie von Seehunden führt. Dieser wirklich schöne Ausflug verleiht dem ansonsten nicht gerade besonderem Dorf doch noch einiges an Charm...etwas, was unserem nächsten Reiseziel komplett gefehlt hat. Dazu aber wann anders mehr.

Wellywood

Mittwoch, 03.12.2014

Wellington ist nicht nur die Geburtsstätte der modernen neuseeländischen Filmwirtschaft, sondern auch die von Peter Jackson, der eben jene mit seinem Lebenswerk revolutioniert hat. Als unbekannter, aber sehr energischer Hobbyfilmer begann er seine Karriere 1987 mit (teilweise ziemlich verstörenden) Splatterkomödien, die er ohne finanzielle Unterstützung einer offiziellen Produktionfirma vollenden musste. Mit Braindead, der als grausamster Film aller Zeiten in die cineastischen Geschichtsbücher eingegangen ist, machte er auf sich aufmerksam. Zwar war er noch weit davon entfernt angesehen oder berühmt zu werden, aber er bekam fortan wenigstens Unterstützung der neuseeländischen Filmkomission. Im Jahr 1994 machte er dann mit seinem Film Heavenly Creatures die wohl plötzlichste und überaschenste Wendung in seiner Karriere durch. Schlagartig genoss er internationale Aufmerksamkeit, als er für dieses Drama in Venedig den Silbernen Löwen und in Los Angelos eine Oscarnominierung erhielt. 1996 bewieß er erneut mit der Horrorkomödie The Frighteners, dass aus ihm ein ernster Filmemacher geworden war. Das alles war aber noch vor seinem größten Cup, der nicht nur die Filmwirtschaft, sondern auch seine Heimat Neuseeland für immer veränderte: The Lord of the Rings. Mit der Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Fantasyromanen (mehr dazu in meinem Eintrag „Concerning Hobbits“) wurde Jackson zu einem der bekanntesten und erfolreichsten Regisseure der gegenwärtigen Filmindustrie. Seine Trilogie wurde weltweit von Kritikern und Zuschauern geliebt und auf Filmfestivals mit Preisen überschüttet. Über allem schweben die 11 Oscars, die der letzte Teil – Die Rückkehr des Königs – 2004 gewann und damit auf gleiche Höhe mit Ben Hur und Titanic zog. Dieser makellose Erfolg hinterlässt auch heute noch überall seine Spuren. Nicht nur in der Karriere von Peter Jackson, dessen neue Werke sich alle mit diesem messen müssen und so, trotz ihrer immer noch hohen Qualität, natürlich bei allen Erwartungen immer zurückbleiben, sondern auch in Neuseeland. Ganz besonders in Wellington: Dass die Stadt ihrem Spitznamen Wellywood alle Ehre macht wird jedem schnell bewusst, der sich in der i-Site (dem Touristeninformationszentrum) über ihre Sehenswürdigkeiten aufklären lässt. Fast alles, was mir dort empfohlen wurde, hängt mit Filmen zusammen: Kinos, Medienzentren, Museen, Drehorte. Für mich als begeisterter Hobbyfilmer ist das selbstverständlich ein Paradies und so hatte ich keine Schwierigkeiten in den fünf Tagen, die ich dort verbracht habe, genug Freizeitbeschäftigungen zu finden...aber genug jetzt von Filmen.

Schließlich hat Wellington auch unabhängig von Herr der Ringe viel zu bieten. 1865 wurde es zur Hauptstadt von Neuseeland, obwohl es mit seinen gerade einmal 180.000 Einwohnern nicht bedeutend größer als meine Heimatstadt Regensburg ist. Ihrer Identität als Kiwis bewusst nennen es seine Bewohner die beste kleinste Hauptstadt der Welt und wer sich Zeit nimmt die Stadt zu besichtigen, dem wird auch klar, wieso. Mit seinem beeindruckendem Nationalmuseum Te Papa, seinen gemütlichen Einkaufsstraßen und Vergnügungsvierteln und dem schönen Mt. Victoria, von dem man eine großartige Aussicht über die ganze Bucht hat, ist Wellington mit großem Abstand die bisher schönste Stadt, die ich in Neuseeland besichtigen durfte. Ganz im Gegenteil zu Auckland hat man sich hier bemüht so viele historische Gebäude zu erhalten, wie möglich. Zu den interessantesten gehören dabei der Parliament District und die schon über ein Jahrhundert alte Seilbahn Cable Car, die das Stadtzentrum mit einem der umliegenden Hügel verbindet. Ich habe meinen Aufenthalt hier wirklich sehr genossen, setzte aber schon am Freitag mit der Fähre auf die Südinsel über. Dort beginnt meine Rundreise, die mich mindestens zwei Monate durch die aufregensten, schönsten und auch einsamsten Landschaften Neuseelands führt. Danach werde ich mich auf meinem Rückweg nach Auckland begeben, aber darüber will ich jetzt im Moment aber noch gar nicht nachdenken, denn schließlich bin ich jetzt gerade einmal bei der Hälfte meiner Reise angekommen und freue mich schon auf alles, was noch vor mir liegt. Misst man das an der Anzahl der Städte oder der Einwohner, die sich auf der Südinsel befinden, ist das allerdings nicht gerade viel. In diesem Sinne: auf ins Nirgendwo!

Mein Abenteuer - Teil 2

Samstag, 29.11.2014

Zwar ist Taupo mit seinen einladenden Cafés und Restaurants und dem schönen Panorama des Lake Taupo eine wilkommene Abwechslung zu den immergrauen Quadratvierteln anderer neuseeländischer Städte, aber trotzdem gibt es dort nicht viel, was mich zum Bleiben motivieren würde. Der Tongariro Alpine Crossing ist ein Wanderweg, der über den Gipfel des zum See nahegelegenen Mt. Tongariro führt. Er gilt weltweit als eine der schönsten Eintageswanderungen überhaupt und entsprechend hatte ich mich auch schon auf die Überquerung gefreut, aber das launische Wetter Neuseelands hat mir einen Strich durch die Rechnung gezogen. Von Taupo erreicht man den Pfad nur mit einem Shuttlebus. Diese fahren allerdings nur, wenn es die Wetterbedingungen am Gipfel zulassen und Sturmwolken, Windgeschwindigkeiten über 75 km/h und Schnee gehören definitiv nicht zu diesen. So habe ich die gesamte letzte Woche darauf gewartet, dass die Touren wieder stattfinden, aber gutes Wetter ist noch lange nicht in Aussicht. Mit etwas zerknirschten Zähnen wegen dieser verpassten Chance ziehe ich jetzt weiter durch die Nordinsel und merke mir diesen Wanderpfad für meinen Rückweg nach Auckland vor.

Meine nächste Station war die relativ uninteressante Stadt Hamilton, die ich nur wegen der Hamilton Gardens besucht habe. In diesen aufwendig gestalteten Stadtgärten werden Kulturpflanzen aus der ganzen Welt aufgezogen. Von einem chinesischem Garten voller exotischer Pflanzen über einen britischen, der den Eindruck erweckt er wäre komplett symmetisch bepflanzt, bis hin zu einer Villa aus der italienischen Renaissance führt der Pfad durch die unterschiedlichsten botanischen und architektonischen Teile unserer Erde. Am Tag darauf habe ich einen Tagesausflug in den kleinen, aber bei Backpackern und Touristen sehr beliebten Badeort Raglan gemacht. Dort habe ich einen angenehm ruhigen und gemütlichen Nachmittag verbracht, der mir wieder genug Energie für meine Weiterreise gegeben hat, die mich dann...

...nach New Plymouth gebracht hat. Glücklicherweise hat sich diese ansonsten sehr verregnete Stadt an meinem Erkundugstag dazu entschieden die Sonne durchzulassen. So hatte ich also eine großartige Aussicht, nachdem ich den Steilhügel Paritutu am Rand der Stadt erklommen habe. Von dort oben sieht man den Hafen, das Stadtzentrum, die zahlreichen Strände und Parks, über allem thront aber das gewaltige Anglitz des vierzig Kilometer entferten Mt. Taranaki, der wie ein einsamer Riese über das ganze Gebiet wacht. Aufgrund des Schnees auf seiner Spitze kann ich diesen aber nicht besuchen und so reise ich schnell weiter in Richtung Süden ...

...nach Whanganui. Neben dem obligarorischen Stadtrundgang habe ich dort auch eine Radtour entlang des Whanganui River geplant, die mir aber wieder einmal durch das übellaunige Wetter des neuseeländischen Westens verdorben wird.

Trotz der Dinge, die ich durch das Wetter verpasst habe, war ich die letzten Wochen viel unterwegs und habe viel erlebt und gesehen. Wie die meisten Dinge, hat auch diese Erfahrung eine Schattenseite. Zwar bin ich durch das, was ich bisher gesehen habe, sehr motiviert für meine Weiterreise, aber es ist auch nicht immer einfach für mich so oft meinen Wohnort zu wechseln und damit auch alle netten Backpacker, die ich dort kennengelernt habe, zurückzulassen. Würde ich nochmal arbeiten, dann wäre das eine wohltuende Unterbrechung dieses ruhelosen Alltags, allerdings habe ich mich inzwischen dazu entschlossen, dass ein weiterer Monat Arbeit Zeitverschweundung wäre. In etwas mehr als einer Woche werde ich mit der Fähre auf die Südinsel übersetzten und mir auf meiner Rundreise dort so viel anschauen, wie es mir möglich ist. Bevor es aber so weit ist, geht es für mich endlich nach Wellington.

 

Mein Abenteuer

Freitag, 14.11.2014

Bevor ich die grünen Hügel des Auenlandes bewundert habe, habe ich auf meinem Weg nach Süden einen kurzen Stopp gemacht: die Stadt Whangarei. Für viele Backpacker ist sie nicht mehr, als eine Zwischenstation von Auckland auf dem Weg nach Far North, denn viel gibt es hier nicht zu sehen. Die Straßen, Läden und Menschen vermitteln das Bild einer sehr geschäftigten und industriellen Stadt. Die eine Besonderheit, die sie allerdings bietet, sind die Abbey Caves. Als ich zusammen mit einigen Freunden aus meiner Zeit in Kaitaia diese nach einer langen Wanderung erreiche, bin ich skeptisch: das dunkle Loch in der Erde, welches der Eingang sein soll, wirkt auf mich nicht besonders einladend. Nach kurzem Zweifeln überwinde ich mich und wir steigen zu acht hinab in die Dunkelheit. Nur mit Taschenlampen ausgerüstet erkunden wir zwei Stunden lang (barfuß) die Höhle. Wirklich verlockend hört sich dieser Ausflug im nachhinein nicht an: das knietiefe Wasser, durch welches wir oft hindurchwarten müssen, ist kalt, die Steine oft glitschig oder schmerzhaft kantig und das Gefühl der Unsicherheit verlässt mich nie wirklich. Trotzdem...als wir endlich wieder im Tageslicht unsere Füße in der Sonne wärmen, bin ich froh, dass ich mich auf dieses Abenteuer eingelassen habe...

Meine erste Station nach Hobbingen war Roturoa. Die gesamte Region um die Stadt herum liegt in einem vulkanischen Graben, der sie durch heftige Ausbrüche landschaftlich geformt hat. Kraterseen, Geysire, Schlammtümpel und die starke Präsenz der maorischen Kultur machen Roturoa zum dem Tourismusziel in Neuseeland schlechthin. Kurzzeiturlauber können dort alles bewundern, was Neuseeland zu bieten hat. Die ganze Stadt ist in einem fast dauerhaft anhaltendem Gestank nach Schwefel gefangen, der sogar noch intensiver wird, als ich das Wai-o-tapu Thermal Wonderland besuche. Was sich wie ein Freizeitbad für Kinder anhört ist in Wirklichkeit ein Park, der einige der schönsten geothermalen und landschaftlichen Besonderheiten der ganzen Region versammelt. Dort konnte ich nicht nur dampfende Schwefelquellen und in unterschiedlichen Farben schimmernde Seen bewundern, sondern auch den berühmten Lady Knox Geysir, der jeden Morgen für die Besucher des Parks zum Ausbrechen provoziert wird und eine zehn Meter hohe Fontäne in die Luft schießt...

Auch meine Ausfüge zur Spitze des Mt. Maunganui bei Tauranga oder zu den beeindruckenden Huka Falls bei Taupo sind mir in guter Erinnerung geblieben. Obwohl ich meine Zeit beim Reisen sehr genieße, kann ich einige Schwierigkeiten, die auf mich zukommen, nicht ganz aus meinem Kopf streichen. Zwar würde mir mein angespartes Geld für den Rest meiner Reise theoretisch reichen, aber um nicht komplett pleite nach Hause zu kommen, sollte ich nochmal für einige Wochen arbeiten. Leider kommen gerade in dieser Zeit des Jahres und in dieser Region des Landes viele Backpacker auf die gleiche Idee, also werde ich schon so bald wie möglich nach einem Job suchen müssen. Gleichzeitig bin ich hin und her gerissen zwischen meinem Entdeckerdrang hier in Neuseeland und den Entscheidungen, die mich zu Hause in Deutschland erwarten. Auf meiner Reise habe ich zwar schon über mich gelernt, dass ich niemals Farmer werde, aber bei der Auswahl meiner Studienfächer hilft mir das nicht besonders weiter. Ich will so lange wie möglich in Neuseeland bleiben, aber auch in Deutschland noch genug Zeit haben, um mich richtig auf mein Studium besinnen zu können. Diese innere Konflikt tobt in mir wie der Wind draußen auf den Straßen und lässt mich nie ganz in Ruhe. Ich hoffe innerhalb der nächsten Tage wird sich eine Lösung dafür finden, damit ich mich wieder voll und ganz auf meine Reise konzentrieren kann...

Concerning Hobbits

Sonntag, 09.11.2014

Es ist nicht möglich nach Neuseeland zu Reisen ohne ein einziges Mal auch über Mittelerde zu sprechen. Als J. R. R. Tolkien die Idee für sein erstes Buch „Der kleine Hobbit“ bekam, befand er sich gerade in einem Schützengraben während des zweiten Weltkrieges. Ihm schoss ein einfacher, kurzer Satz durch den Kopf, der später zu einer der wohl bekanntesten Expositionen überhaupt wurde: In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit. Die fikitve Welt Mittelerde, die mit diesem Satz geboren wurde, ist im wortwörtlichen Sinne das Lebenswerk Tolkiens. Auch wenn er sich hin und wieder anderen Projekten gewidmet hat, so erkundete und erweiterte er sie bis zu seinem Tod. Das Endergebnis dieser Forschungsreisen ist das Königreich Arda, welches bis heute zu einer komplexesten fiktiven Weltenschöpfung überhaupt gilt. In vielen verschiedenen Büchern beschreibt Tolkien seinen Lesern die Kultur, die Sprache, die Geschichte und die Geographie aller in Arda vorkommenden Kontinente. Einer davon: Mittelerde. Dort spielen sich die meisten Abenteuer und Sagen Tolkiens ab, unter anderem die Herr der Ringe Romane. Die erzählerische Wucht und das Detailreichtum seiner bekanntesten Bücher wurden vom neuseeländischen Regisseur Peter Jackson auf einzigartige Weise umgesetzt. Mit den beiden Trilogien The Lord of the Rings und The Hobbit hat Jackson nicht nur komerziell und künstlerisch Filmgeschichte geschrieben, sondern auch seine Heimat auf die internationale Bühne gezogen. Das kleine, abgelegene Neuseeland wurde über Nacht zu einem beliebten Ziel von Touristen, die, wie einst die Gemeinschaft des Ringes, Mittelerde durchqueren wollen. Unter ihnen: ich.

Vor noch knapp 15 Jahren war Matamata nicht mehr, als ein kleines Dorf in Neuseeland, welches wieder industriell noch kulturell von großem Interesse war. Es war ein Bauerndorf, dessen einzige Besonderheit seine Pferderennstrecke war und selbst diese konnte keinen einzigen Touristen dorthinlocken. Heute ist Matamata das Pflichtprogramm für jeden Fan von Peter Jackson. Dort wurde nämlich 1998 das erste Mal die Heimat der Hobbits – das Auenland – für den Dreh des ersten Herr der Ringe Teils aufgebaut. Noch nichts ahnend von dem großen Andrang, den dieses Set erzeugen würde, ließ der Besitzer des Landes das Set nach dem Abschluss der Dreharbeiten wieder abreißen. Glück für ihn, dass es dann 2009 für die Verfilmung des Romans Der kleine Hobbit wieder aufgebaut wurde, denn heute ist es die beliebteste Attraktion der gesamten Umgebung. Hobbingen liegt eine zehnminütige Busfahrt außerhalb von Matamata. Unsere Tourbegleiterin hält einen kurzen Einfürhungsvortrag, dann setzt sich die Gruppe in Bewegung. Wir folgen einem kurzen angelegtem Pfad, biegen um eine Kurve und finden uns schlagartig in Mittelerde wieder. In den folgenden zweieinhalb Stunden werden wir an allen Sehenswürdigkeiten des Dorfes vorbeigeführt und bekommen interessante, faszinierende und unterhaltsame Geschichten rund um den Bau des Dorfes und die Dreharbeiten darin zu hören. Viel zu schnell endet die Tour mit einem Freibier im Grünen Drachen, der großen Gastwirtschaft von Hobbingen. Als wir von dem Bus wieder zurück nach Matamata gebracht werden, kommt mir das erste Mal wieder mein Alltag in den Sinn, den ich für diese Tour komplett aus meinem Kopf verbannt habe: die Reise, die vor mir liegt. Und obwohl ich kein großer Lyriker bin, fällt mir dazu die erste Stropfe eines Gedichts ein:

Die Straße gleitet fort und fort
Weg von der Tür, wo sie begann,
Weit überland, von Ort zu Ort,
Ich folge ihr so gut ich kann.
Ihr lauf ich raschen Fußes nach,
bis sie sich groß und breit verpflicht
Mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

Tolkien hat es selbst verfasst und Bilbo Beutlin in den Mund gelegt. Dieser spricht darin über seine große Reise, über die man im Buch Der kleine Hobbit mehr lesen kann. Es passt deswegen so gut zu meiner Situation, denn nachdem ich jetzt das verschlafene Nest Kaitaia und das schöne Hostel dort verlassen habe, ziehe ich nun, genau wie Bilbo Beutlin, auf in ein Abenteuer!

Arbeiten als Backpacker

Montag, 27.10.2014

Die Landwirtschaft ist ein wichtiges ökonomisches Standbein Neuseelands. Die Kombination aus sehr fruchtbarem Boden und guten Wetterbedingungen (viel Regen, viel Sonne) erschafft ideale Voraussetzungen, um verschiedenste Obst- und Gemüsesorten anzubauen. Dass der Export jener viel Kapital nach Neuseeland schafft, kann man schon in deutschen Supermärkten sehen. Äpfel, Kiwis, Tomaten, Avocados – alles Dinge, die wir zum großen Teil von dort geliefert bekommen. Nachdem Neuseeland als Ziel von „Work and Travel“ immer beliebter wurde, hat es gelernt sich die Backpacker aus aller Welt zu Nutze zu machen. Als billige Arbeitskräfte sind wir inzwischen für den Anbau und die Ernte verschiedenster Pflanzen unverzichtbar geworden. Als ich mir ausgemalt habe, wie es wohl wäre auf einer Farm zu arbeiten, habe ich mich darauf gefreut. Himmel, was habe ich mich getäuscht...

Versteht mich nicht falsch. Es ist wirklich interessant einmal zu sehen, was es bedeutet in der Landwirtschaft zu arbeiten und ich bin auch froh darüber, dass ich Geld ansparen kann. Allerdings habe ich in meinem Leben selten soetwas physisch anstrengedes und psychisch zermürbendes getan, als das, was mein Job mir die letzten Wochen abverlangt. Ich arbeite auf einer Farm, die hauptsächlich Süßkartoffeln und Zucchinis anbaut. Da sich diese jetzt in ihrer Erntezeit befinden, muss ich (mit etwa fünfzehn anderen Backpackern aus meinem Hostel) diese während unserer Arbeitszeit einsammeln. Das bedeutet, wir verbringen einen Großteil des Tages nur damit uns zu bücken, um die Zucchinis von der Staude, auf der sie wachsen, abzuschneiden. Diese Arbeit ist nicht nur relativ langweilig, sondern auch für den Rücken sehr belastend. Wenn man nämlich nach so einem Tag noch etwas darin spürt, dann sind das Schmerzen...
Auch die Wetterbedingungen vereinfachen uns die Arbeit nicht wirklich. Kaitaia liegt nahe an der Küste und ist von Hügeln umgeben, was dafür sorgt, dass sich die Wetterbedingungen hier schnell ändern...leider aber selten zum Guten. Extreme Hitze und starke Regenschauer geben sich hier regelmäßig die Türklinke in die Hand, was die Arbeit in beiden Fällen unerträglich macht.
Die größte Horrorvision meiner Mutter ist, dass ich in Neuseeland eine Farm kaufe und für immer dort unten bleibe. Nach drei Wochen auf einer Farm kann ich sie in dem Punkt beruhigen – wer mit Arbeit dieser Art nicht aufgewachsen ist wird sich schwer tun an ihr gefallen zu finden. Aber dadurch, dass ich die Zähne zusammengebissen habe, ist jetzt mein langersehntes Ziel in greifbarer Nähe: in ungefähr zwei Wochen werde ich das kleine Dorf Kaitaia verlassen und mich auf meine langersehnte Reise durch die ganze Nordinsel begeben...

Opfer

Dienstag, 14.10.2014

Ich habe inzwischen gelernt, dass man auf einer so langen Reise gewisse Oper bringen muss. Vermisst du eigentlich Deutschland? Als mir ein Freund vor wenigen Tagen diese Frage stellte kam ich ins Nachdenken...ja, natürlich vermisse ich meine Heimat, meine Familie, meine Freunde. Ich habe gemerkt, dass ich nie dazu in der Lage wäre viele Jahre am Stück zu Reisen, wie beispielsweise ein schwedischer Zimmergenosse von mir. Allerdings habe ich bei meinem Abflug ja auch gerade das in Kauf genommen, dass ich eben vieles zurücklassen muss. Und Stückweise ist das ja auch der Sinn einer solchen Reise. Abstand zu seiner Heimat gewinnen, etwas anderes erleben, selbstständig werden. Und aus diesem Grund wünsche ich mir auch noch nicht schon wieder zu Hause zu sein. Ganz im Gegenteil: ich freue mich auf alles, was noch vor mir liegt. Gestern Abend gab es eine Mondfinsternis. Über eine halbe Stunde haben alle Bewohner meines Hostels gemeinsam in den Nachthimmel gestarrt und gewartet, bis der Mond schließlich im Schatten der Erde verschwunden war. Es gab stimmungsvolle Musik, gute Laune und tolle Gespräche. Momente wie diese machen die Reise wirklich wert.

Obwohl ich mich natürlich in erster Linie auf das Reisen konzentrieren möchte, muss ich jetzt doch eine kurze Pause einlegen, um das Geld für meine kommenden Ziele zu sparen. Aus diesem Grund bin ich von Kerikeri nach Kaitaia gezogen; ein noch kleineres Dorf, noch weiter im Norden. Ich habe dort einen Job auf einer Farm bekommen, auf der ich die nächsten vier Wochen arbeiten werde. Dadurch sind zwar meine Tage sehr lang, eintönig und anstrengend geworden, aber die Gewisseheit, dass ich danach zwei Monate reisen kann, gibt mir Durchhaltevermögen. Somit musste ich ein weiteres Opfer bringen: meine Freizeit.

Eine andere Sache auf die man als Backpacker verzichten muss ist die Privatsphäre. Egal wie gut man sich mit seinen Mitbewohnern versteht, egal wie lustig, nett und interessant sie sind, irgendwann braucht jeder einen Moment nur für sich selbst. Das ist aber in den meisten Hostels nicht möglich, da es für gewöhnlich nur Mehrbettzimmer gibt. Unter dieser Tatsache leiden besonders meine geplanten Projekte (z.B. der Dokumentarfilm), denn um Kreativität und Schreibfluss zu bekommen, brauch man einfach seine Ruhe.

Wie schon gesagt, eine lange Reise wie diese verlangt große Opfer ab. Allerdinst ist das keineswegs etwas Schlechtes, denn diese werden sich dafür hundertfach auszahlen...

Neuseeländischer Alltag

Samstag, 27.09.2014

Der Alltag hier unterscheidet sich nicht besonders von dem in Deutschland. Ich bin hier in den meisten Bereichen auf mich alleine gestellt, deswegen habe ich auch schnell gelernt gewisse Aufgaben in meine Tagesplanung zu übernehmen. Ich muss regelmäßig einkaufen, kochen, Ausflugsziele finden und Zeit mit meinen Mitbewohnern verbringen. Nachdem sich jetzt auch noch ein paar mal pro Woche die Arbeit in der Obstfabrik zu meinen Pflichten dazugesellt hat, ist mein Alltag wenig abwechslungsreich geworden. Umso bessere Laune bekomme ich eben dann, wenn an einem Tag etwas besonderes passiert und - Gott sei Dank - ist das hier auch oft der Fall...

Der nördlichste Bereich Neuseelands wird "Far North" genannt. Und das auch nicht ohne Grund: nach einer dreistündigen Busfahrt durch eine malerische, original neuseeländische aber auch verlassene Hügellandschaft steige ich mit meiner Reisegruppe am Cap Reinga aus. Die Fahrt wäre fast schon langweilig gewesen, wenn unser Bus nicht nach halber Strecke einen Platten gehabt hätte und wir im Nirgendwo auf unsere Rettung warten mussten...so konnte ich wenigstens ein paar tolle Fotos machen. Cap Reinga ist der nördlichste Punkt der Nordinsel. Wir bekommen die Chance uns dort eine Stunde umzusehen. Ein Wegweiser, der dort plaziert wurde, verkündet mir: London - 18029km. Das Gefühl so weit weg von zu Hause zu sein ist gleichzeitig bedrückend wie unglaublich befreiend. Allerdings bleibt mir nicht viel Zeit in Grübeleien zu versinken, denn die unberührte Natur um mich herum ist zu atemberaubend. 150 Meter unter mir werfen sich hohe Wellen wütend gegen die Klippen, der Wind zerstört mir munter die Frisur und die Sonne wärmt meine Haut - selten habe ich mich so frei von allen Sorgen gefühlt wie in diesem Moment. Leider kann ich auch das nicht lange genießen, denn die Bustour folgt einem strengen Zeitplan. Eine halbe Stunde später stehe ich auf der Spitze einer (natürlich entstandenen) Sanddüne, die ich gleich mit einem Surfbrett wieder runter rasen werde. Nachdem wir dann auch unser letztes Ziel, den 90-Miles-Beach, hinter uns gelassen haben, beenden wir den Tag in einem kleinen Dort mit einem Teller Fish'n'Chips. Alles in allem ein Ausflug, der sich sehr gelohnt hat.

Auch mein Wochenende wollte nicht ohne ein großes Ereignis vorrübergehen: die Einweihung des Hostels, in dem ich zur Zeit wohne. Die stolzen Besitzer, eine Neuseeländerin und ihr britischer Ehemann, sehen (zusammen mit ihren drei Kindern) dem Bürgermeister von Kerikeri mit einem breiten und glücklichem Lächeln dabei zu, wie er das Hostel offiziell eröffnet. Danach hatten wir alle die Ehre bei einem traditionellem, maorischen Glücksritual zuzusehen. Auf der darauffolgenden Feier habe ich auch endlich mein erstes Gespräch mit zwei älteren, gut gelaunten Maori geführt, die mir gleich Ratschläge gegeben haben, was es hier in der Gegend alles zu sehen gibt.

Ich werde auch sicherlich einige dieser Tipps ausprobieren, aber nach zwei so ereignisreichen Tagen brauche ich erst einmal etwas Entspannung. Zufrieden sinke ich in mein Bett und freue mich auf das nächste Abenteuer, das mich hoffentlich schon erwartet. Wann es soweit sein wird kann ich nicht sagen, denn einen regelmäßigen Alltag gibt es hier in Neuseeland nicht...

Murphys Law

Samstag, 20.09.2014

Murphys Gesetz gehört zu den Grundweißheiten eines jeden Pessimisten. Alles, was schief gehen kann, geht auch schief. Wenn man von dieser negativen Einstellung geprägt ist, könnte man wirklich annehmen, dass meine Reise bisher der Willkür dieses Gesetzes ausgeliefert war. Oder der Schreibwut eines Autors, der es einem Protagonisten einfach nicht gönnen will, dass er bekommt, was er sich wünscht. Tatsächlich ist in der kurzen Zeit, die ich bisher in Kerikeri verbracht habe, mehr schief gelaufen als gewöhnlich. Obwohl mir von meinem Hostel versprochen wurde, dass mir eine Arbeitsstelle vermittelt wird, warte ich seit einer Woche vergeblich auf Angebote. Zu meiner großen Enttäuschung habe ich dann auch feststellen müssen, dass - die allwöchentliche Party mal ausgenommen - in dem Hostel sonst kaum etwas gemeinsam unternommen wird. Deswegen habe ich mich die meiste Zeit in den vergangenen Tagen sehr gelangweilt und die Gegend schließlich auf eigene Faust erkundet. Zusätzlich wurde durch ein anfängliches Missverständnis bezüglich meiner Buchung mein Bett bereits nach einer Woche neu vergeben und weil das Hostel ansonsten komplett ausgebucht war, musste ich mir ein neues suchen. In der Tat: Alles, was schief gehen kann, geht auch schief.

Eine etwas positivere Einstellung hat der amerikanische Regiesseur Christopher Nolan. Er hat Murphys altes Sprichwort zugunsten eines seiner Filme umformuliert. Alles, was passieren kann, wird auch passieren. Das gefällt mir persönlich wesentlich besser. Glaubt man nämlich diesem Spruch, so kann es auch sein, dass eben viele Dinge gleichzeitig gegen den eigenen Willen geschehen und trotzdem alles ein gutes Ende nimmt. Und so ist es dann auch gekommen. Dem Rat eines Zimmergenossen folgend bin ich in ein anderes "Working Hostelin Kerikeri gezogen. Das Ehepaar, das die Unterkunft leitet, hat mich gut gelaunt und freudig in Empfang genommen und mir gleich an meinem allerersten Tag (!) einen Job in einer Obstfabrik vermittelt, in der ich ab kommender Woche arbeiten werde. Da dieser unangenehme Druck endlich von mir abgefallen ist, kann ich mich jetzt wieder auf andere Dinge besinnen. Einige gemeinsame Wanderausflüge der letzten Woche  zu den Rainbow Falls und dem Strand von Paihia gefallen mir jetzt rückblickend viel besser. Mit dieser neuen Motivation im Hinterkopf macht mir auch die Planung für mein nächstes Reiseziel noch mehr Spaß. Im Moment warte ich jedenfalls auf einen Funken Inspiration für meinen Film, auf meinen ersten Arbeitstag und darauf, dass der Regenschauer, der sich die letzten Tage über Kerikeri ergießt, aufhört, damit ich mich auf die nächste Entdeckungstour durch die atemberaubende Landschaft um mich herum begeben kann...

Aller Anfang ist schwer

Sonntag, 14.09.2014

Ich habe in Auckland jetzt endlich alles Organisatorische hinter mich gebracht. In meinem Hostel wurde ich von einem 53-jährigen Mann, der seit 30 Jahren durch die Welt reist, mit Tipps für mein Leben überhäuft. Ich habe mein Hostel gewechselt, meinen ersten Mexikaner kennengelernt, von zwei Briten richtig englisch fluchen beigebracht bekommen und konnte mich letztendlich gut in den Alltag eines Backpackers einleben. Nachdem meine Zeit in Auckland jetzt hinter mir liegt, kann meine Reise durch Neuseeland, die schon vor zwei Wochen angefangen hat, endlich wirklich beginnen...

Nach einer vierstündigen Busfahrt finde ich mich in dem behaglichen Dorf Kerikeri wieder. Es befindet sich im nördlichsten Teil der Insel: Northland. Weit weg von allen großen Städten werde ich in einem kleinen, aber sehr gemütlich eingerichteten Hostel herzlich willkommen geheißen. Die kleine Ortschaft und die umliegende Natur sind wunderschön, jedoch kann ich das im Moment nicht richtig genießen. Der Aufgabenberg, von dem ich gehofft hatte, ihn hinter mir gelassen zu haben, ist eigentlich gewachsen und sein Schatten trübt meine Stimmung. Ich muss jetzt nicht nur damit anfangen Arbeit zu suchen, meine nächsten Reiseziele zu bestimmen und meinen Dokumentarfilm zu planen, sondern auch ein System finden, mit dem ich möglichst viel Geld sparen kann (was in einem so überteuerten Land wie Neuseeland leichter gesagt als getan ist). Inzwischen ist mir klar geworden, dass die Idee eines Reisepartners für das ganze Jahr utopisch ist. Jeder hat seine eigenen Ziele und Touren im Kopf, deswegen muss man damit klar kommen, immer mal wieder seinen Reisebegleiter zu wechseln. Gott sei Dank reiht sich das nicht mehr zu meiner Liste voller Probleme dazu, denn nette Menschen trifft man hier täglich.
Nach meiner ersten Party seit meinem Abschied aus Deutschland hat sich endlich auch meine Laune wieder verbessert. Ich wurde schon davor gewarnt, dass der Anfang hier immer sehr schwer ist. Aber es ist besser sich von sowas nicht runterziehen zu lassen und sich eher um die Pflichen zu kümmern, denen man ohnehin nicht entkommen kann. Außerdem: ohne Herausforderung wäre es ja langweilig. Zugegeben - der Luxus von zu Hause fehlt mir jetzt schon, aber da es meinen Mitbewohnern genauso geht, komme ich gut damit zurecht.
Die Unterkunft in der ich wohne ist ein "Working Hostel"; das bedeutet, dass mir hier bei der Jobsuche geholfen wird. Die Industrie von Northland wird hauptsächlich von Obstplantagen dominiert, die allerdings erst dann Arbeit anbieten, wenn die Saison begeonnen hat. Also heißt es erstmal abwarten, planen und hoffen...

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